Eiskalte Dusche in Spora: Wenn der Aufwand nicht zum Ertrag passt
Es gibt Tage, an denen passt das Ergebnis perfekt zum Wetter: ungemütlich, grau und mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, die einem langsam in die Knochen kriechen. Das 1:4 unseres SV Kretzschau beim Tabellenzweiten SV Spora liest sich auf dem Papier wie eine klare Angelegenheit – eine klassische "Oben gegen Unten"-Geschichte. Doch wer sich am Spielfeldrand die Zehen abgefroren hat, weiß: Ganz so einfach ist die Geschichte dieses Nachmittags nicht erzählt.
Die Vorzeichen standen ohnehin schon auf "Herausforderung". Mit Kapitän Fuhrmann, dem gesperrten Gottschild und Tom Balschun (Knie) fehlten gleich drei Säulen im Kretzschauer Gebälk. Dazu präsentierte sich das Geläuf in Spora weniger als Teppich, sondern eher als Feind des gepflegten Kurzpassspiels. Die Strategie war also klar: Lange Bälle statt Tiki-Taka, Kampf statt Kunst.
Die verpasste Chance zur Wende
Überraschenderweise kamen wir gut in die Partie. Trotz der körperlichen Überlegenheit der Gastgeber – Spora liegt uns traditionell eigentlich, warum auch immer – war der SV Kretzschau in der ersten Hälfte spielbestimmend. Wir waren griffiger, wacher und eigentlich dem Führungstreffer näher. Doch der Fußballgott trug an diesem Tag wohl ein Spora-Trikot.
In der 40. Minute fiel das 1:0 für die Hausherren durch B. Großmann – bezeichnenderweise durch einen abgefälschten Schuss, der unhaltbar im Eck einschlug. Murphys Gesetz schlug kurz darauf voll zu: Die riesige Chance zum direkten Ausgleich hatte Kalkofen auf dem Fuß. Doch statt den direkten Abschluss zu suchen, entschied er sich für den Versuch, den Gegner noch einmal zu umdribbeln. Die Chance verpuffte, und statt mit einem leistungsgerechten Remis ging es mit einem Rückstand in die Kabine.
Ein Sonntagsschuss und glitschige Hände
Was in der ersten Halbzeit noch nach einem offenen Schlagabtausch aussah, entwickelte sich nach dem Seitenwechsel leider zur Tragödie in drei Akten. Der zweite Durchgang war kaum angepfiffen, da packte J. Dörfer einen echten "Sonntagsschuss" aus. Von der Sechzehnerkante senkte sich der lange Ball über unsere Abwehr hinweg ins Netz – 2:0 (50.). Ein Treffer der Marke "Tor des Monats", der uns spürbar den Stecker zog.
Das 3:0 in der 62. Minute, erneut durch Dörfer, fällt dann in die Kategorie "gebrauchter Tag": Das 3:0 fiel dach gleich darauf. Wenn es nicht läuft, dann läuft es eben auch hinten rein. Spätestens nach dem 4:0 durch J. Broschwitz (65.), bei dem unsere Seite ungehalten offen stand und der Querpass nur noch eingeschoben werden musste, stellte der SV Kretzschau die aktive Teilnahme am Spielgeschehen weitgehend ein. Die Köpfe gingen runter, die Kälte kroch jetzt auch mental in die Glieder.
Fazit: Ein Lichtblick zum Schluss
Dass wir nicht gänzlich ohne Ehrentreffer nach Hause fahren mussten, verdanken wir einem Geistesblitz in der Schlussphase. Ein absoluter Traumpass von Just hebelte die Spora-Abwehr aus, und L. Neumann behielt im Eins-gegen-Eins die Nerven und markierte den 4:1-Endstand (84.). Ein schöner Moment, aber am Ende nur Kosmetik auf einem schmerzhaften Ergebnis.
Fazit: Wir haben eine Halbzeit lang bewiesen, dass wir auch beim Tabellenzweiten mithalten können. Doch individuelle Fehler und mangelnde Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor werden in dieser Liga gnadenlos bestraft. Spora bleibt Zweiter, wir rutschen tiefer in den Keller. Jetzt heißt es: Wunden lecken, gesund werden und im nächsten Spiel die Leistung über volle 90 Minuten auf den – hoffentlich ebeneren – Platz bringen.